Interview: Massentierhaltung & Klimawandel

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Ist Massentierhaltung DAS Problem?
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  • Beitrag zuletzt geändert am:12. September 2021
  • Beitrags-Kategorie:Ethik / Nachhaltigkeit
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  • Lesedauer:11 min Lesezeit

Larissa von wirgegenihr.de hat mir (Bene) in einem Interview ein paar Fragen über das Thema Massentierhaltung & Klimawandel gestellt. Das Projekt „Wir gegen Ihr“ wird von Larissa geleitet und wurde im Zuge ihrer Bachelorarbeit ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projektes hat sie mit einigen Personen gesprochen, welche sich alle mit dem Thema Klimawandel beschäftigen. Es gibt mittlerweile bereits viele Interviews auf ihrer Website zu lesen. Schau also auch gern bei ihr vorbei und ließ dir die weiteren Storys durch!

Doch jetzt viel Spaß mit dem „heißen“ Interview:

Wir reden heute über Massentierhaltung. Wo kommst du in Kontakt damit? Wieso kommt es dazu?

Leider kommen fast keine Menschen in direkten Kontakt mit der Massentierhaltung. Denn ansonsten würde es mit Sicherheit viel mehr VeganerInnen geben. Ich persönlich komme mit Massentierhaltung in “Kontakt“, da ich mich schon seit einigen Jahren mit den Themen Veganismus und Tierrechte beschäftige. Ursprünglich war es einfach ein Gedanke von mir, dass es (heutzutage) ethisch nicht korrekt sein kann Tiere zu essen. Nach Mahlzeiten mit tierischen Lebensmitteln hatte ich oft ein schlechtes Gewissen und fühlte mich unwohl. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, desto mehr wurde mir klar: Ich muss aufhören Tierprodukte zu konsumieren! Zuerst wurde ich Vegetarier und nach kurzer Zeit zum Veganer. Mir war auch von Anfang an klar, dass Vegetarismus nur eine Übergangslösung sein kann, denn Vegetarier zu sein hat mit Veganismus erstmal nicht viel am Hut. Vegetarisch zu leben ist mehr eine Ernährungsform. Veganismus hingegen ist eine Lebenseinstellung und die rein pflanzliche Ernährung eine Folge davon.

Zurück zur Massentierhaltung: Sie ist auf jeden Fall ein großes Problem und eine “artgerechtere“ Tierhaltung ist für die Tiere grundsätzlich besser.

Aber unser Problem ist in erster Linie nicht die Massentierhaltung an sich, sondern unsere fundamentale Haltung gegenüber Tieren.

Bene

Wir würden niemals auf die Idee kommen unseren Hund zu essen, da dieser ja ein Haustier ist, und Haustiere isst man eben nicht. Bei Nutztieren ist das jedoch etwas ganz anderes, da hier der Name ja bereits sagt: Nutze mich! Ich bin nur für euch Menschen auf dieser Welt! Doch der Begriff “Nutztier“ ist einfach etwas menschengemachtes und kein Naturgesetz. Wir müssen aufhören verschiedene Standards für Tiere zu etablieren, denn jedes Tier, egal ob Katze, Fisch oder Schwein hat Gefühle und empfindet Schmerz, Freude oder Trauer. Wieso also sollte das Leben eines Hundes mehr Wert sein als das einer Kuh? Massentierhaltung ist auf keinen Fall der richtige Weg, jedoch sollte auch eine “artgerechtere“ Tierhaltung hinterfragt werden. Denn letztendlich landen auch hier Lebewesen im Schlachthaus. Es ist also durchweg falsch Tiere für unseren Nutzen auszubeuten, egal ob in Form einer Massen- oder Freilandhaltung.

Was für ein Einfluss hat die Massentierhaltung auf unser Klima?

Die Tierindustrie verursacht mehr Treibhausgase als der gesamte Verkehrssektor! Dieser Einfluss aufs Klima ist viel größer als den meisten Menschen bewusst ist. Auch in den Medien hört man davon leider in der Regel sehr wenig. Wenn man an Klimawandel denkt, dann eben meistens nur an große Fabriken, Flugzeuge und Autos. Dass wir aber mit unserem tagtäglichen Essverhalten den größten Einfluss aufs Klima haben wissen viele nicht, oder es wird einfach gekonnt ignoriert.

Kürzlich habe ich eine Studie der Oxford University gelesen, die besagt, dass man mit einer veganen Ernährung den eigenen CO2-Fußabdruck um bis zu 73% reduzieren kann.

Bene

Veganismus ist also nicht nur für die Tiere gut, sondern auch immens für unser Klima! Eine Win-Win-Situation eigentlich. Und die Massentierhaltung ist in diesem Spiel einfach nur eine Folge des riesigen Bedarfes an Tierprodukten, der von uns Menschen erzeugt wird. Diese enorme Nachfrage kannst du nur in großem Stil und mit großflächigen Produktionsanlagen decken. Es ist also fadenscheinig, wenn man sich als Einzelner darauf beruft, dass da eine böse Massentierhaltung existiert, und das alles Verbrecher*innen sind, die das Klima zerstören wollen. Der einzelne Konsument, der sich am Wochenende nach dem Fortgehen einen Döner kauft und unter der Woche aufs Klima und die schlimmen Verhältnisse in der Massentierhaltung schimpft, sollte sich hinterfragen und die eigenen Wünsche und Moralvorstellungen in Einklang mit den Handlungen bringen. Denn dann, und nur dann, wird die Nachfrage an tierischen Produkten sinken und es werden weniger Treibhausgase emittiert.

Was muss die Politik gegen dieses Problem machen, um unser Klima besser zu schützen? Was wären mögliche Lösungsansätze?

Politiker*innen könnten den Zusammenhang von Veganismus und Klimawandel mehr ins Rampenlicht rücken. Ich verstehe aber auch, warum das bis dato noch nicht ausreichend gemacht wurde. Ich glaube es ist erstmal ein persönlicher Interessenskonflikt der Politiker*innen selbst – niemand mag zugeben, dass sein eigener Konsum nicht klimafreundlich ist.

Zweitens glaube ich, dass die Fleisch-Lobby in Deutschland oder Österreich noch sehr groß und einflussreich ist. Genauso wie die Milchindustrie, die nebenbei bemerkt genauso negative Auswirkungen auf den Klimawandel hat. Diese mächtigen Industrien haben natürlich ein sehr großes Interesse daran, in kein schlechtes Licht gerückt zu werden oder politische Nachteile zu erhalten. Ich will damit nicht sagen, dass derartige Unternehmen das ultimative Böse sind, es geht nicht darum andere schlecht zu machen, sondern gemeinsam in eine bessere Zukunft zu gehen.

Die Politik sollte sich zunächst einmal eingestehen, dass es mit Massentierhaltung & Co. nicht weitergehen kann, um sich dann dem Problem Stück für Stück anzunehmen. So könnten Landwirtschaftsbetriebe beispielsweise Förderungen erhalten, um auf einen rein pflanzlichen Betrieb umzustellen.

Es müssen einfach Anreizsysteme geschaffen werden, um die vegane Landwirtschaft bzw. den Umstieg darauf attraktiver zu gestalten.

Bene

Ebenso wäre es wichtig, dass vegane Produkte und deren Produzent*innen nicht nachteilig behandelt werden. So wird z.B. Pflanzenmilch derzeit von der Politik nicht als Grundnahrungsmittel gesehen und erfährt dadurch steuerliche Nachteile. Bei euch in Deutschland ist es beispielsweise so, dass pflanzliche Milch mit 19 % und Kuhmilch mit nur 7 % besteuert wird. Und da soll sich noch jemand wundern, dass vegane Produkte so teuer sind! (Was sie in der Regel aber meistens gar nicht sind). Zusätzlich gibt es aktuell vom EU-Parlament Bestrebungen, pflanzliche Produkte von tierischen abzugrenzen. Veggie-Burger sollen künftig nicht mehr Burger, Tofu-Steaks nicht mehr Steak, oder Soja-Schnitzel nicht mehr Schnitzel heißen dürfen. Pflanzenmilch darf schon jetzt nicht mehr „Milch“ im Namen führen, wird also in der Regel als „Pflanzendrink“ verkauft. So etwas ist natürlich vollkommener Schwachsinn und suboptimal für die vegane Bewegung.

Zusätzlich wäre es natürlich wünschenswert, wenn die Politik mehr Aufklärungsarbeit leisten würde, um den Veganismus und dessen klimafreundliche Auswirkungen in ein besseres Licht zu rücken. Und auch die Ernährungsgesellschaften in Österreich und Deutschland könnten ihre Empfehlungen endlich mal anpassen und den Berg an wissenschaftlichen Ernährungsstudien berücksichtigen. So wie es die die amerikanische „Academy of Nutrition and Dietetics“ jetzt schon macht. Diese empfiehlt in einem Positionspapier eine gut geplante vegane Ernährung in jedem Alter.

Was kann jeder Verbraucher dagegen machen?

Jede(r) Einzelne kann sehr viel Gutes für das Klima tun. Du kannst z.B. mehr mit Öffis fahren, Stromsparen oder nicht mit dem Flugzeug reisen. Das alles hat natürlich seine Berechtigung und ist gut. Aber was dabei oft vergessen wird: Wie groß ist der Impact der verschiedenen Maßnahmen auf das Klima? Wo ist der Hebel am größten und wo sollte ich dementsprechend anfangen? Und hier ist die Antwort ganz klar:

Du isst drei Mal am Tag. Drei Mal am Tag kannst du dich für oder gegen das Klima entscheiden.

Bene

Die pflanzliche Ernährung ist eine ebenso einfache wie effektive Möglichkeit Klimaschutz zu betreiben. Und man muss heutzutage wirklich nicht mehr auf Geschmack verzichten! Es gibt mittlerweile so viele pflanzliche Alternativen zu den traditionellen Fleisch-Speisen. Von Pizza über Schnitzel bis hin zum Steak findest du alles was dein Herz begehrt. Mit dieser Umstellung alleine machst du schon viel mehr als die meisten Menschen.

Wie bereits gesagt, hat eine Studie der Oxford University herausgefunden, dass du mit einer pflanzlichen Ernährung deinen CO2-Fußabdruck um bis zu 73 % verringern kannst. Ich glaube solche Werte lassen sich mit Stromsparen oder anderen Maßnahmen nicht erreichen. Wie denn auch, wenn der Konsum tierischer Produkte bereits einen solch großen Anteil ausmacht. Der Hebel ist also beim Veganismus am größten, und deswegen sollte man auch hier anfangen. Zusätzlich machst du auch ganz viel Gutes für die Tiere und bei einer ausgewogenen, vollwertig pflanzlichen Ernährung tut es dir und deiner Gesundheit vermutlich auch sehr gut.

Wie fängst du selbst für dich an, dieses Problem zu lösen?

Überraschung: Ich lebe vegan, esse also keine tierischen Produkte und kaufe auch sonst keine Tierprodukte wie z. B. Lederschuhe. Zusätzlich nutze ich meistens öffentliche Verkehrsmittel oder mein Fahrrad. Ich versuche auch, andere Menschen mit meinem Instagram Kanal (@veganistextrem) auf das Thema Veganismus und dessen positive Auswirkungen auf Tiere, Umwelt und Gesundheit aufmerksam zu machen. Zusätzlich führe ich in meinem persönlichen Umfeld Gespräche über die vegane Lebensweise und vermittle mein gesammeltes Wissen.

Zu guter Letzt: Dein geheimer Nachhaltigkeitstipp.

Probier’s mal mit Veganismus! Es gibt eine super Website namens challenge22.com, hier kannst du kostenfrei einer 22-tätigen veganen Challenge beitreten und bekommst Tipps und Infos rund um die pflanzliche Ernährung.

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